PACTOR I und II

PACTOR ist ein Verfahren zur Datenübermittlung über Kurzwellen, das sich auf Grund seiner grossen Vorzüge weltweiter Beliebtheit erfreut. PACTOR ist ein Kunstwort aus den Begriffen PACKET-RADIO und AMTOR. Die Entwickler nützten die Vorteile dieser beiden Betriebsarten und schufen unter Anwendung modernster Technik ein neues Verfahren das eine fehlerfreie Übermittlung von Daten über eine Kurzwellenverbindung gestattet. Das 1990 eingeführte PACTOR System ist 1995 mit dem PACTOR-2 System (PTC-2) erweitert und verbessert worden. PACTOR-2 ist zu PACTOR-1 (PTC-1) rückwärtskompatibel und gestattet bei guten Übertragungsbedingungen einen hohen Datendurchsatz.

PACTOR verfügt durch eine 16bit-Fehlererkennung über eine sehr hohe Übertragungssicherheit. Bei schlechter Verbindung wechselt PACTOR selbsttätig zwischen Paketen von 20 Zeichen/200bd und 8 Zeichen/100bd, ebenso kann “fliegend” zwischen der Fehlererkennung FEC und der Fehlerkorrektur ARQ gewechselt werden. Da die Shiftlage bei jedem Zyklus gewechselt wird, ist es seitenbandunabhängig. Mit Hilfe der Möglichkeit, ein fehlerhaftes Daten-Paket über einen D/A-Wandler “analog” zwischenzulagern (Memory-ARQ) und einer Datenkompression (nach Huffmann) ist PACTOR rund 4x schneller als AMTOR bei nur 600Hz Platzbedarf. Auch hier gibt es einige Übertragungsformate.

PACTOR-Controller werden einerseits an einen Computer angeschlossen, auf dem eines der vielen erhältlichen Terminalprogramme läuft, und anderseits an einen KW-Transceiver. Der Tonausgang des Transceivers führt zum Controller. Das Modulationssignal des Controllers wird dem Mikrofoneingang, des im Modus SSB betrieben Transceivers zugeführt. Alle modernen Transceiver arbeiten ohne Modifikationen auf PACTOR-1 und PACTOR-2.

Vorteile von PACTOR
- Fehlerfreie Datenübertragung
- Echte binäre Datenübertragung mit Gross-, Kleinschreibung und Sonderzeichen
- Automatische Anpassung der Übertragungsgeschwindigkeit an die Qualität der KW Verbindung.
PACTOR-1  100 oder 200 Baud, PACTOR-2 bis ca. 1000 Bits/s.
- Datenkompression bei Übertragung von Text
- Ausgeklügelte Fehlererkennungs- und Korrekturmethode (PTC-2)
- Durch Memory-ARQ wird aus mehreren defekten Datenpaketen die richtige Information rekonstruiert
- Sehr kleiner notwendiger Störabstand zur Aufrechterhaltung einer Verbindung.
- Maximale Bandbreite 500 Hz, beim PTC-2 auch bei den höchsten Datenraten
- Vollständige Mitlesemöglichkeit
- PTC-2: Einsatz eines DSP (digital signal processors) und eines Mikroprozessors, Einbau von VHF PACKET Modems möglich, Transceiversteuerung möglich

 

 Typischer Sound eines Pactor-II-Signals
 

 

 

Pactor-III:

 

Mit dem neuen Pactor-III-Verfahren, was vom Erfinder, (Fa. SCS in Maintal) patentiert ist und eine besondere Rufzeichenabhängige Lizenzierung der Pactor-Firmware erfordert, sind bei Online-Komprimierung Netto-Baudraten bis ca. 5200 Bit/sec möglich. Pactor-III ist damit 3,5 mal schneller als Pactor-II, der Durchsatz ist 5 mal höher. Dabei ist Pactor-III noch robuster bei einem schlechten Signal/Rauschverhältnis verglichen mit Pactor-II.

Pactor-III belegt 2,4 kHz @-40dB / Audio-Durchlassbreite 400-2600 Hz  und ist deshalb nur in Frequenzbereichen zulässig, die für im Bandplan für breitbandige Übertragungsverfahren vorgesehen sind (z.B. nicht auf 30m, auf 20m nur im oberen Digitalbereich etc.).

Pactor wird hauptsächlich zum Betrieb mit unbemannten Gegenstellen genutzt (Mailboxen, Email-Systeme) oder über GateWays in das Packet-Radio-Netz oder ins Internet . Die Firmware der PTC2-Controllers erlaubt die direkte Nutzung als Modem zum Internet (IP-Bridge).

Es gibt ein weltweites Netz an Email-Servern auf den Kurzwellenbändern „WinLink2000“  (Info: http://www.winlink2000.org), die anders als Packet-Radio-Mailboxen keine vielfache Datenhaltung über Store&Forward durchführen, sondern den direkten Zugriff auf wenige zentrale Datenbank-Server über Internet ermöglichen und EMail-Transfer und Webzugriff aus dem Internet erlauben. Hierdurch können „Weltenbummler“ jederzeit von irgendeiner Stelle der Welt auf ihre Mails zugreifen ohne spezielle Systeme erreichen zu müssen (MyBBS etc.)

 

 Typischer Sound eines Pactor-III-Verbindungsaufbaus (Start mit P1, dann P2, dann P3)
 

Hardware:

Pactor-I ist teilweise mit Software-Lösungen über Soundmodem unter DOS realisiert worden (z.B. registrierungspflichtiges RiTTY).
Für Pactor-II und III sind spezielle Controller (PTC) erforderlich, Pactor-III kann aus lizenzrechtlichen Gründen nur mit Controllern der Firma SCS realisiert werden (PTC2), die diese Geräte mit geringfügig unterschiedlicher Firmware auch weltweit für kommerzielle Nutzung vertreibt (Marine, kommerzielle Nachrichtendienste, Wetterdienste etc.).

Die Geräte arbeiten mit einem 60MHz-, die neue Generation mit einem 80MHz-DSP (Digitaler Signalprozessor), der dem üblichen Soundmodem deutlich überlegen ist. Die für Pactor-II/III erforderlichen Umschaltzeiten sind außerdem bei einer Softwarelösung unter Windows Betriebssystem-bedingt nicht zu erreichen.

 

SCS PTC2Pro und PTC2ex (Preise ca. 850/600)

Neben Pactor beherrschen die PTC2 auch nahezu alle anderen gängigen digitalen Betriebsarten als Beigabe. Einige PC-Programme sind auch für den wahlweisen Betrieb mit PTC2 oder Soundmodem ausgelegt (z.B. JVComm32 für SSTV und Fax, UIView32 für APRS), einige für beides parallel (z.B. MixW2).

Weiterhin können auf einem zweiten RS232-Port Positionsdaten von einem GPS-Empfänger zur Aussendung der eigenen Position per Email oder Abruf per Pactor oder Packet-Radio oder zur Übernahme in APRS-Software übernommen werden.

Das „grosse“ PTC2/PTC2Pro kann mit 2 zusätzlichen steckbaren Packet-Radio-DSP-Modems ausgestattet werden, die dann GateWay-Betrieb mit 300-19200 Baud auf unabhängigen Packet-Radio-Kanälen erlauben.

Das „grosse“ PTC2 und sein Nachfolger PTC2Pro haben ausserdem eine CAT-Schnittstelle für alle gängigen Transceiver integriert und können zeitgesteuert automatisch konfigurierte QRGs scannen, Bänder wechseln, Antennen wechseln und vieles mehr.

 

Software:

Es gibt zahlreiche spezielle Programme zur Nutzung mit den PTC2, einige, die spezielle Treiber integriert haben und den vollen Funktionsumfang nutzen, ausserdem lassen sich die PTC2 in verschiedenen Terminal- und Hostmodes betreiben, die bei Verzicht auf besondere Funktionen die Geräte zu Standardsoftware kompatibel machen.

Pactor/Amtor/RTTY/PSK31/CW, teilweise parallel mit Packet-Radio auf den Zusatzmodems:

·        Alpha

·        NCWinPTC

·        Simple32 Gold

·        XPWin

·        RCKRtty

·        MixW2

·        KPTC (LinuX)

·        PlusTerm (DOS/OS2)

·        FBB (BBS-Software)

 

SSTV/FAX:

·        JVComm32 (PTC2-Mode)

·        Simple32 Gold

·        Mscan

·        Mscan Meteo Fax

 

Pactor/Email/Winlink2000 :

·        Airmail2000

 

Packet-Radio (und Pactor/Amtor/RTTY/PSK31/CW mit Einschränkung)

·        Paxon

·        WPP

 

APRS

·        UIView32

 

Digital-SSTV:

·        Gamma

 

Datenübertragung/Filetransfer

·        Gamma

·        Easy-Transfer

(Quelle: www.scs-ptc.com und eigene Tests)

 

Und viele mehr !