RTTY (Radio-Tele-Type)
Funkfernschreiben, eine der
historisch ältesten Betriebsarten zur digitalen Schrift- Übertragung,
vorwiegend mit 45baud oder 50baud. Mit zwei Tönen im Abstand von 170Hz (KW) oder
425Hz (UKW) werden die Binärsignale 0 und 1 übertragen. Mit einem festgelegten
5-bit-Fernschreibcode werden jedoch nur Großbuchstaben und wenige Sonderzeichen
übertragen. Auf allen Bändern ist für den Betrieb das obere Seitenband USB
vorgesehen.
Vorteil : relativ guter
Wirkungsgrad, auch ohne Soundkarte im FSK-Mode zu betreiben, dabei keine
Übermodulation. Auch beim Fehlen eines der beiden Tönen noch Decodierung
möglich.
Nachteile : keine Fehlerkorrektur,
eingeschränkter Zeichensatz, keine bekannten Vorteile gegenüber PSK, weswegen
RTTY zunehmend von PSK31 in den Hintergrund gedrängt wird, jedoch nach wie vor
oft anzutreffen ist.
PSK31 (Phase-Shift-Keying)
ist die derzeit beliebteste
Schrift-Übertragung auf Kurzwelle. Mit Hilfe eines einzelnen Tones, der in der
Phasenlage um 180° gedreht wird, werden die Binärzeichen 0 und 1 übertragen.
Der Text wird mit einem variablen Binärcode übertragen. Wie auch bei der
Telegrafie haben oft vorkommende Zeichen einen kürzeren Binärcode, die
selteneren Zeichen einen längeren Code (Variocode). Die Bandbreite beträgt
weniger als 40Hz, die Geschwindigkeit liegt bei 32WPM. Durch die Verwendung von
nur einem Ton hat diese Betriebsart einen extrem hohenWirkungsgrad. Das sehr
schmale DSP-Filter in der Soundkarte läßt noch Signale decodiert, wenn kaum
noch was zu hören ist. Dadurch ergibt sich ein systembedingter Leistungsvorteil
von ungefähr 10db gegenüber einem 500Hz-Signal. Eine Verbesserung von PSK31
stellt FSK31 dar. Im Gegensatz zu
PSK31 wird nicht die Phasenlage 0°/180° benutzt, sondern 90°/270°. Dadurch wird
das übermodulieren des Signals vermindert. Leider wird FSK31 nur sehr selten
eingesetzt. Ebenfalls eine wirksame Verbesserung ist QPSK31. Als Kombination von PSK&FSK werden alle vier
Phasenlagen 0°/90°/180°/270° benutzt. Die doppelte Übertragungsrate wird hier
zur Fehlerkorrektur benutzt. Nach Verbindungsaufnahme mit PSK31 sollte man bei
einem schwachen Signal nach Absprache auf QPSK31 umschalten (können).
Vorteil: Durch die extrem schmale
Bandbreite hat ein 5W-PSK-Signal die Wertigkeit von einem 50W-RTTY-Signal oder
einem 200W-SSB-Signal. Auf engstem Raum sind sehr viele Signale gleichzeitig
mit dem passendem Programm zu lesen. Rund um die Uhr sind Gegenstationen zu
finden.
Nachteile: Keine Fehlerkorrektur,
anfällig durch Fremdsignale und Störungen, durch Phasentastung anfällig für
selektives Fading und Mehrwegempfang, für 160/80m nicht ganz so gut geeignet,
ebensowenig für 2m und höher.
AMTOR (Amateur Teleprinting over Radio)
Diese Form von RTTY
wurde in den 70er Jahren vom kommerziellen SITOR abgeleitet. Der
5-bit-Fernschreibcode wurde um 2-bits für eine Fehlerkorrektur erweitert.
Entweder werden im Mode-A (ARQ) fehlerhafte Zeichen von der Gegenstelle neu
angefordert oder im Mode-B (FEC) nach Möglichkeit korrigiert. Ansonsten werden
wie bei RTTY auch abwechselnd zwei Töne im Abstand von 170Hz mit 100bd
gesendet.
Vorteil : Gegenüber normalem RTTY eingebaute Fehlererkennung bzw.
Fehlerkorrektur.
Nachteil: Veraltete Technik, die kaum noch angewendet wird.
HF-Packet-Radio
Mit einer
Übertragungsrate von Brutto 300bd und einer Bandbreite von gut 1khz eignet sich
das HF-Packet-Radio nicht gerade zum DXen. Mit der eingebauten Fehlerkorrektur
AQR und ASCII-Code ist zwar echte Binärübertragung möglich, allerdings muß bei
einem fehlerhaften Bit das ganze Datenpaket neu angefordert werden, ausserdem
sind die Umschaltzeiten im Gegensatz zu anderen ARQ-Modis sehr lang, was die
effektive Übertragungsrate auf bescheidene 30 WPM herunterbremsen kann.
Vorteil: brauchbare Datenübertragung und Mailbox-Betrieb bei mittelmäßigen
Verbindungen.
Nachteil: keine besonders gutes S/N-Verhältnis, für die Datenrate zu breiter
Signalanspruch. Technik bereits durch PACTOR überholt.
PACTOR
eine sinnvolle Kombination
aus AMTOR und HF-PACKET stellt PACTOR dar. Zahlreiche Verbesserungen machten
Pactor zur Datenübertragung Nr.1 auf den KW-Afu-Bändern. PACTOR verfügt durch
eine 16bit-Fehlererkennung über eine sehr hohe Übertragungssicherheit. Bei
schlechter Verbindung wechselt PACTOR selbsttätig zwischen Pakete von
20Zeichen/200bd und 8Zeichen/100bd, ebenso kann “fliegend” zwischen der
Fehlererkennung FEC und der Fehlerkorrektur ARQ gewechselt werden.. Da die
Shiftlage bei jedem Zyklus gewechselt wird, ist es seitenbandunabhängig. Mit
Hilfe der Möglichkeit, ein fehlerhaftes Daten-Paket über einen D/A-Wandler
“analog” zwischenzulagern (Memory-ARQ) und einer Datenkompression (nach
Huffmann) ist PACTOR rund 4x schneller als AMTOR bei nur 600Hz Platzbedarf.
Auch hier gibt es einige Übertragungsformate.
Vorteil: Beste Möglichkeit, Daten via KW zu übertragen, 100% ASCII-kompatibel,
Mailboxbetrieb und “portable” Email-Anbindung möglich, GateWay-Betrieb ins Packet-Radio-Netz.
Nachteil: zusätzliches Modem (PTC) nötig, keine DX-Betriebsart, für Pactor-III
fallen hohe Lizenzkosten an.
Zusatz
zum neuen Pactor-III: (dl5di)
Mit
dem neuen Pactor-III-Verfahren, was vom Erfinder (Fa. SCS in Maintal)
patentiert ist und eine besondere Lizenzierung erfordert, sind bei Online-Komprimierung
Netto-Baudraten bis ca. 5200 Bit/sec möglich. Pactor-III ist damit 3,5 mal
schneller als Pactor-II, der Durchsatz ist 5 mal höher, dabei ist Pactor-III
noch robuster bei einem schlechten Signal/Rauschverhältnis verglichen mit
Pactor-II.
Pactor-III
ist nur in Frequenzbereichen zulässig, die im Bandplan für breitbandige
Übertragungsverfahren vorgesehen sind, es belegt 2,4 kHz @-40dB /
Audio-Durchlassbreite 400-2600 Hz (nicht auf 30m, auf 20m nur
im oberen Digitalbereich etc.).
MT63
Schrift-Übertragung mit Hilfe von
gleichzeitig 63 Trägern (!) mit einem Abstand von 15,625Hz und einer
Geschwindigkeit von je 10baud, was im günstigsten Fall eine (theoretische)
Übertragungsrate von 1kbit wäre. Durch eine Fehlerkorrektur (FEC) wird der
Inhalt mehrmals und zeitversetzt (“Interleave”) übertragen. Ein MT63-Signal
klingt wie ein Rauschträger und ist je nach gewählter Geschwindigkeit und
Interleave-Faktor 500, 1000 oder 2000Hz breit. Da Anfangs viele unwissende
Funkfreunde einen Störträger vermuteten, wird jetzt auf Wunsch gleichzeitig ein
CW-Signal mit dem MT63-Signal ausgesendet.
Vorteil: Ein MT63-Signal ist sehr
robust gegen Störsignale auf gleicher Frequenz, selbst ein SSB- oder
AMTOR-Signal kann kaum stören. Bedingte Fehlerkorrektur
Nachteil: Benötigt hohe Bandbreite
und ist nicht für Digimode-Bandbereiche vorgesehen. Nicht besonders weit
verbreitet.
MFSK16
Seit Mitte 2000 im Amateurfunk
bekannt, wird mit Hilfe von 16 verschiedenen Tönen im Abstand von 15,626Hz, die
immer einzeln aktiv sind, auf einer Gesamtbandbreite rund 300Hz die Daten
übertragen. Wegen der Fehler-Erkennung (FEC) werden die Daten doppelt und
verschachtelt übertragen. Da ein 8bit-ASCII-Code verwendet wird, ist
(theoretisch) echte Binärübertragung mit einer relativ hohen
Übertragungssicherheit bei einer Netto-Datenübertragungsrate von 42 WPM möglich
. Das Verfahren stammt ursprünglich aus dem militärischen Bereich und hat dort
den Namen Coquelet oder Piccolo.
Vorteile: Kommt an die
Empfindlichkeit von PSK-31 heran. Gegenüber PSK31 ist es dafür aber robuster
gegenüber Dopplereffekte und Überlagerungen, besonders auf den unteren Bändern.
Zusammen mit PSK31 ist MFSK16 die beste digitale Betriebsart für schwierige
DX-Verbindungen.
Nachteile: Nicht ganz so hoher
Wirkungsgrad wie PSK und auch nicht ganz so sehr verbreitet.
Throb22
Dieses exotische
“Multi-Ton-Frequenz-Shift-Keying” ist eine Weiterentwicklung einer früheren
Version, die 5-Töne und nur 40Hz Bandbreite benötigte, aber mit 7 WPM auch extrem
langsam war. Throb22 sendet mit 9 Töne, die einzeln oder als Paar ausgesendet
werden. Je nach gewählter Geschwindigkeit kann man 10, 20 oder 40 WPM
übertragen.
Vorteil : Benötigt nur 72 bzw.
144Hz Bandbreite
Nachteil: Langsame Übertragung,
benötigt sehr frequenzstabilen TRX. Sehr selten anzutreffen.
SSTV (Slow-Scan-Tele-Vison)
Obwohl streng
genommen nicht zu den “digitalen Betriebsarten” zählend, gehört diese sehr
populäre Betriebsart doch zu der Gruppe der “computerunterstützten
Betriebsarten” und wird daher gerne in den gleichen Topf zu den “Digimodes”
geworfen. SSTV dient dem
(zeilenweise) Übertragen eines Farbbildes. Bis Anfang der 90er war SSTV
vorwiegend Besitzern der teuren Konvertern von ROBOT-RESEARCH vorbehalten. Dann
kamen zahlreiche Softwarelösungen auf den Markt, was SSTV zu schneller
Verbreitung verhalf. Das Prinzip war immer gleich: Entweder hohe Auflösung und
lange Übertragung oder kleine Auflösung und schnelle Übertragung. Durch
unzählige Kombinationen dieser beiden Parametern entstanden bis heute fast 50
verschiedene Übertragungs-Formate. Am meisten verbreitet haben sich die 5
Formate Mastin-1/2 und Scottie-1/2/DX. Zwischen den NF-Frequenzen 1500Hz und
2300Hz wird für jede Zeilen die Farben Grün, Blau und Rot mit einer Länge von je
147ms übertragen, eine Zeile dauert 446ms (Martin1) bzw. 436ms (Scottie1). Ein
(übliches) Bild besteht aus 256 Zeilen und hat eine Übertragungsdauer von rund
110 Sekunden. Das Signal klingt wie ein quietschender Keilriemen.
Vorteil: weit verbreitete Farbbild-Übertragung. Auch “ganze Filme” möglich (je
32Zeilen in schwarz-weiß).
Nachteil: benötigt ein SSB-Kanal, keine Fehlerkorrektur, sehr störanfällig
gegen Fading und Fremdsignalen.
(Quelle: Thorsten Meirich, DL7PP / Webseite K32)
Download PowerPoint-Präsentation „Digitale
Betriebsarten“ von DL7PP (ca. 8 MB gezippt)